Bei Wind und Wetter von Havelberg nach Rathenow

Bei Wind und Wetter von Havelberg nach Rathenow

Vom 12. bis 13. Juli 2025 fand unsere diesjährige Kinderwanderfahrt statt. Bereits am Freitagabend herrschte geschäftiges Treiben auf dem Vereinsgelände. Mit vereinten Kräften wurden die Boote verladen. Ganze vier Doppelvierer mit Steuermann mussten sicher auf den Anhänger gebracht werden. Trotz Routine der Kinder und Jugendlichen war volle Konzentration gefragt, denn die Gig-Boote sind größer, schwerer und insbesondere unhandlicher als die sonst verladenen Rennboote. Als endlich alles verspannt war, blieb nur noch wenig Zeit für Erholung, denn am Samstag um Punkt 6.00 Uhr startete der Bootstransport nach Havelberg. Noch etwas verschlafen, allerdings voller Vorfreude, machten sich alle auf den Weg, um ein tolles Wochenende auf der unteren Havel zu erleben.

Havelberg begrüßte uns mit feinem Nieselregen, der leise auf der Wasseroberfläche trommelte. Davon ließ sich jedoch niemand beirren. Nach dem Aufriggern der Boote ging es auch schon los in Richtung Rathenow. Mit gleichmäßigem Schlag glitten die Boote von Havelberg stromaufwärts. Der graue Himmel spiegelte sich im ruhigen Wasser, während Nebenschwaden über den Havelauen tanzten und die Landschaft in eine fast mystische Stimmung tauchten.

Am Bootsanleger in Vehlgast angekommen, musste nach zwei Stunden im Nieselregen die Kleidung gewechselt werden. Mit warmen Getränken und belegten Brötchen steigerte sich die Stimmung. Pünktlich zum Ablegen hatte auch der Regen ein Einsehen: die Wolken rissen auf und die Weiterfahrt begann im Trockenen. Nun zogen alle kräftig durch, denn es stand fest: der nächste Regen wird kommen. Unterwegs meisterten alle Boote das Schleusen in Garz mit Bravour, als wäre es Teil des täglichen Trainings.

Unterwegs wurden fleißig Grundfertigkeiten wie das Steuern und das “Bauen von Päckchen” geübt, ein großartiger Beweis für das ausgereifte Zusammenspiel im Team. Zwischen den Mannschaften herrschte beste Stimmung. Gut gelaunt erreichten alle Boote mit Spaß und einer Portion Stolz zur Mittagspause Molkenberg. Diese begann auch im Trockenen, jedoch zog schnell der bereits angekündigte Regen auf. Und diesmal goss es aus Gießkannen.

Fest entschlossen, das Etappenziel, den Biwakplatz Grütz, zu erreichen, legten wir zügig ab. Es war sehr anstrengend, in diesen starken Regenfällen zu rudern. Bereits an der Schleuse waren alle durchgeweicht, denn diesem Regen hielt nicht einmal die beste Regenjacke stand. In der Schleuse prasselte sogar ein kräftiger Platzregen auf die Boote herab. Es schien fast so, als ob dieser für eine schnellere Schleusung sorgte.

Der Teamgeist blieb jedoch ungebrochen. Mit vereinten Kräften und dem Ziel vor Augen, erreichten alle den unter Wasser stehenden Biwakplatz. Es stand fest: Zelten war nicht möglich! Also folgte die Evakuierung ins Bootshaus nach Rathenow. Dort fanden alle im Trockenen Zuflucht und eine heiße Dusche.

Nach einem ereignisreichen Tag klang der Abend in bester Stimmung aus. Der Duft von lecker Gegrilltem und frischen Brötchen mischte sich mit dem zufriedenen Lachen der Mannschaften. Bei guter Laune, Musik, vielen Gesprächen über das Erlebte und mittlerweile trockenem Himmel, verging die Zeit an der Feuerschale wie im Flug. Später rollten alle ihre Schlafsäcke und Isomatten im Bootshaus aus. Dieses wurde zu einem gemütlichen Gemeinschaftsquartier.

Am nächsten Morgen, geweckt von frischem Kaffee und Brötchen zum gemeinsamen Frühstück, wurde die geplante Etappe besprochen. Nach einer Nachbereitung und der Verlegung nach Grütz, stiegen dort alle in die Boote und ruderten hoch motiviert Richtung Rathenow. Bei bestem Ruderwetter und mit einem Hauch Wehmut, weil das Wochenende schon fast vorbei war, glitten alle Boote über den bekannten Havelabschnitt. Jeder Schlag brachte die Sportler dem Heimatsteg ein Stück näher.

Am Bootshaus angekommen, packten alle mit an. Bootspflege, Materialpflege und die Kontrolle der restlichen Ausrüstung standen auf dem Programm. Mit vereinten Kräften glänzten die Boote, bevor zum krönenden Abschluss das traditionelle Abschlussessen im Bootshaus stattfand. Müde, zufrieden und mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck, war diese Wanderfahrt, trotz widriger Bedingungen, ein Highlight der Rudersaison.

Ein großer Dank gilt all jenen, die diese Fahrt erst möglich gemacht haben: allen Betreuenden, mit ihren wachsamen Augen auf Ruderer und Material, dem Landdienst für die logistische Unterstützung, dem Ruderkameraden für das Zugfahrzeug und damit sicherem Transport, sowie der Verpflegungsgruppe im Bootshaus, die bei Wind, Wetter und Müdigkeit die Laune aufbesserte. Ohne dieses großartige Team wäre die Tour nur halb so schön gewesen!

Philipp Klinger
Philipp Klinger Philipp engagiert sich für unser breitensportliches Angebot im Kinder- und Jugendbereich.