Von Dom zu Dom mit dem Ruderboot - Das blaue Band der Havel erkunden
Am 30. April 2026 fuhren Christine, Hiltrud, Heike, Johannes und ich (Caroline) von Saarbrücken nach Rathenow, um das verlängerte Wochenende bei unseren Rathenower Ruderfreunden zu verbringen. Nach dem einen oder anderen Stau wurden wir exakt um Mitternacht von Stefan im Bootshaus am Mühlendamm begrüßt, wo wir auch zahlreiche weitere Ruderfreunde aus dem Berliner Raum und Kiel antrafen.
Am nächsten Morgen wurde beim gemeinsamen Frühstück die Tagestour besprochen. Der Plan sah vor, etwa 30 Kilometer auf dem Beetzsee zu rudern. Dort fand zeitgleich die 34. Große Brandenburger Kanuregatta statt, sodass wir mit unseren sechs Gigbooten zwischen den zahllosen Paddelbooten fast schon etwas fehl am Platz wirkten. Über den Tag hinweg begleiteten uns Kuckucks-Rufe, Schwäne und zahlreiche Entenfamilien durch die Idylle der Seenlandschaft. Mittags genossen wir in Bollmannsruh am Sandstrand eine ausgiebige Pause, bei der wir uns mit unseren Lunchpaketen und Eis vom dortigen Kiosk stärkten.

Zurück in Rathenow gab es abends Pizza, wobei wir Glück hatten, dass die bevorzugte Pizzeria kurzfristig noch ausreichend Kapazitäten für so viele hungrige Ruderer hatte. Nebenbei wurde mit vielen helfenden Händen bereits die Mittagsversorgung für Sonntag vorbereitet. Am Steg und unter dem Sommerdach ließen wir den ersten Tag in gemütlicher Runde ausklingen.
Am zweiten Tag starteten 28 ruderbegeisterte Personen und ähnlich viele Kanuten von Brandenburg a.d.H. aus in Richtung Rathenow. Die Boote hatten wir über Nacht beim RC Havel Brandenburg gelagert, sodass wir morgens zügig starten konnten. Die Tagesetappe mit 48 Kilometern und einer Schleuse führte uns vorbei an wunderschönen Flussufern, zahlreichen Nistplätzen der unterschiedlichsten Wasservögel und vielen anderen Uferbewohnern. Um den Anschluss an die überraschend flotte Gruppe Kanuten nicht zu verlieren und ein Warten auf Ruderboote an der Schleuse zu vermeiden, gab die Fahrtenleitung den Leitsatz aus: “Seht zu, dass ihr immer mindestens einen Kanuten hinter euch habt.” ;-) Die Mittagspause legten wir in Bahnitz ein, wo uns das Verpflegungsteam der Kanuten mit leckerem Sauerkrauteintopf (Bigosch) versorgte. Der dortige Biwakplatz lädt zum Picknicken und Verweilen ein. Nicht schlecht staunten wir, als während unserer Pause plötzlich ein großes Frachtschiff vorbeifuhr – das muss sich wohl auf der Havel verfahren haben!

Ein ähnliches Schicksal ereilte eines der sechs Ruderboote, dessen Mannschaft fälschlicherweise auf die Mögeliner Havel abgebogen war und so die kleine Kaffeepause in Böhne ausließ. Der Kuchen soll ganz fantastisch geschmeckt haben, wurde mir berichtet. - Tatsächlich hatten wir uns gar nicht verfahren! In einem kurzen Telefonat mit der Fahrtenleitung formulierte Johannes ganz passend, dass wir uns einfach “für die landschaftlich schönere Route entschieden” hatten. :-) Im Mittelpunkt der Abendgestaltung stand am Samstag das gemeinsame Grillen der Ruderer und Kanuten. Außerdem wurde bei den sommerlichen Temperaturen in der Havel gebadet, regelmäßig eine Kühlschrank-Inventur gemacht oder noch letzte Besorgungen im nahegelegenen Kaufland erledigt. In ausgelassener Stimmung wurde so bis spät in die Nacht hinein geklönt und gemeinsam gelacht. Man ließ die ersten erlebnisreichen Tage Revue passieren und schmiedete Pläne für gegenseitige Besuche im heimischen Ruderrevier.
Nach einer entsprechend kurzen Nacht startete der letzte Tag unserer dreitägigen Wanderfahrt vom Rathenower Steg aus in Richtung Havelberg. 45 Kilometer inkl. drei Schleusen galt es zu bewältigen. Eines der Boote machte morgens vor dem offiziellen Start noch einen kleinen Abstecher zur gesperrten Rathenower Stadtschleuse, damit Heinz, der heute Vormittag für Stefan im Boot saß, auf seine Wanderfahrtskilometer für das Fahrtenabzeichen kommt – hier hilft man sich doch gerne gegenseitig! Wie schon an den beiden vorausgegangenen Tagen starteten wir bei Sonnenschein und warmen Temperaturen und bewunderten flussabwärts die Fauna und Flora der idyllischen Landschaft. Mittags erreichten wir Strodehne, wo uns Stefan und Torstens Papa bereits mit der vorbereiteten Kartoffelsuppe erwarteten. Diesmal haben auch alle Ruderboote den Weg zur geplanten Anlegestelle der Pause gefunden. Die Suppe nach dem Rathenower Rezept schmeckte mal wieder derart gut, dass - ähnlich wie im Vorjahr - der eine oder andere sich den Nachschlag zu gut schmecken ließ, ohne daran zu denken, wie viele Ruderkilometer einem noch bevorstünden… Man könnte ja auch gerne noch etwas an diesem malerischen Gewässer verweilen! Doch das Wetter wechselte, sodass leichter Wind aufkam und die Sonne verschwand. Die Kanuten bliesen zum Abmarsch und waren zügig verschwunden, ehe auch nur ein Ruderer sein Sitzkissen zurechtgelegt hatte.

Da wir auch nicht als Letzte ankommen wollten, packten wir ebenfalls zügig zusammen und traten die letzte Etappe nach Havelberg an. Am Steg angekommen wurden die Boote aus dem Wasser gehoben, geputzt, abgeriggert und auf den bereits wartenden Bootshänger verladen. Für uns Saarbrücker stand anschließend noch die lange Heimreise an. Gegen 1 Uhr nachts trudelten wir schließlich wieder auf dem Undine-Hof ein.
Hinter uns lag eine wundervolle Wochenendfahrt, mit malerischen Eindrücken von der Schönheit des Havellandes, ein wenig Farbe durch die sommerlichen Temperaturen und jeder Menge lustiger Anekdoten und neu geknüpfter Freundschaften. Ein herzlicher Dank geht an die zahlreichen kleinen und großen Helferinnen und Helfer, ohne die eine solche Veranstaltung nicht zu stemmen wäre. Wir freuen uns darauf, die Havel bei weiteren gemeinsamen Ausfahrten besuchen zu dürfen. Für uns steht fest – die kleine Weltreise lohnt sich auf jeden Fall. Ahoi!


